In den letzten Tagen mehreren sich die Zeichen, dass er nun doch weiter fallen wird, der Leitzins. Am Donnerstag kommender Woche tritt der Rat der Europäischen Zentralbank zu einer Entscheidung zusammen, die neuen Zündstoff mit sich bringen könnte. Der niedrige Leitzins, jetzt schon auf 0,75 Prozent, hat bislang nicht die gewünschte Wirkung gebracht, die Wirtschaft in der Euro-Zone schwächelt, nur Deutschland geht es (noch) gut. Sinkt der Leitzins nun erneut, werden auch die Sparzinsen weiter sinken – doch kommen dann auch noch niedrigere Kreditzinsen?

Wie vieles im Leben, so hat auch der niedrige Leitzins zwei Seiten, die unterschiedlichen Verbrauchern unterschiedlich gut gefallen. Auf der einen Seite stehen die Sparer, die immer mehr an den niedrigen Zinsen für ihre Sparkonten verzweifeln. Seit Monaten gibt es für Sparzinsen nur noch einen Weg: den nach unten. Aber auf der anderen Seite stehen sie, die Kreditnehmer, die sich seit Monaten über niedrige Kreditzinsen freuen können.

Auch wenn der Zinsrutsch bei den Kreditzinsen nicht so stark war, wie von der EZB auch erhofft, um den Konsum anzukurbeln, so sind die Zinsen für Kredite deutlich niedriger als sie es noch zu den Zeiten eines höheren Leitzinses waren. Je nach Bank haben nach langen Diskussionen und viel harscher Kritik an der Zinspolitik der Banken auch die Zinsen für Dispokredite nachgegeben, nicht so flächendeckend wie bei den Ratenkrediten, aber dennoch gibt es inzwischen immer mehr Girokonten, bei denen die Dispozinsen unter zehn Prozent liegen. Abrufkredite sind noch günstiger und können auch von uns nur immer wieder als zinsgünstige Alternative zum Dispokredit empfohlen werden.

Derzeit zeigt sich dank der gesunkenen Kreditzinsen vor allem eines: immer mehr vom Konsum wird in Deutschland auf Pump gekauft. Dies könnte auch eine Folge der mittlerweile drastisch gesunkenen Sparzinsen sein. Wer etwas kaufen will, kauft es zu der Zeit, zu der er es braucht und spart nicht monatelang darauf mit mickerigen Zinsen – sondern nimmt lieber einen günstigen Kredit auf.

Zugleich boomt bei den Handelsketten immer mehr eine Art von Krediten, die nicht bei allen Experten auf Freude stoßen: die zu Null-Prozent Finanzierungen. Dabei werden Kredite gezielt beim Kauf einer bestimmten Ware, beispielsweise eines Fernsehers oder einer Waschmaschine, vergeben. Der Kreditantrag wird dann über den Händler bei der kreditgebenden Bank gestellt und die Ware dann mit dem Kredit bezahlt. Dies hat natürlich den Vorteil, dass man das Gekaufte gleich mitnehmen oder sich zügig nachhause liefern lassen kann. Doch es hat auch einen Nachteil: der Kredit ist an das Gekaufte gebunden. Sollte es dann zu Engpässen bei der Rückzahlung des Null-Prozent-Kredits kommen, wird die Ware in vielen Fällen wieder einkassiert, der Kredit selbst muss aber dennoch weiter abgezahlt werden.

Deshalb ist es empfehlenswerter, dann eben doch lieber einen Kredit mit ein paar Prozent Zinsen aufzunehmen und den Wunschkauf dann über einen normalen Ratenkredit zu realisieren, der nicht zweckgebunden ist. Denn hier muss dann die zu kaufende Ware nicht gleichzeitig als Sicherheit hinterlegt werden bei der Aufnahme des Kredits, sondern der Ratenkredit steht zur freien Verfügung.