Die Kredite für Banken sind billiger denn je zuvor in der Euro-Zone. Eigentlich senkte die Europäische Zentralbank den Leitzins ursprünglich immer weiter, damit Kredite in der Währungsunion günstiger und damit auch die Investitionen mehr werden. Bislang ist dieser Wunsch jedoch immer noch ohne tatsächliche Folgen. Zwar sanken die Zinsen für Kredite teilweise, aber nicht in gleicher Höhe wie die Zinsen für die Kredite an die Banken selbst.

Benoit Coeuré, ein Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, möchte nun einen anderen Weg einschlagen, damit die billigen Kredite nicht nur bei den Banken, sondern auch bei den Unternehmen und den Verbrauchern ankommen – für die sie ja eigentlich gedacht sind. Laut Coeuré sollten "sämtliche Möglichkeiten" erwogen werden, damit die Gelder der EZB auch wirklich dahin gelangen, wo sie am meisten gebraucht werden, bei den Verbrauchern und bei den Unternehmen. Dies machte Benoit Coeuré in einem Interview mit "Hospodarske Noviny", einer slowakischen Zeitung, deutlich.

Damit spricht das EZB-Direktoriumsmitglied das aus, was viele kritisieren. Der Hauptrefinanzierungssatz für die Euro-Zone liegt mittlerweile bei nur noch 0,75 Prozent, dennoch sind es vor allem die Zinsen für Dispo-Kredite, die immer wieder als Wucherzinsen bezeichnet werden. Für uns übrigens schon seit langer Zeit ein Grund, jedem Verbraucher die Nutzung eines Abruf- oder Rahmenkredites anstelle des Dispokredites zu empfehlen (einen Anbietervergleich dazu finden Sie hier). Dass die Vergabe von Darlehen für Unternehmen zudem wieder restriktiver wird, wie die vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung jeden Monat erhobene Kredithürde zeigt, macht deutlich: die Banken sehen kaum Handlungsbedarf  bei den sehr guten Kreditbedingungen für Geldinstitute in der Währungsunion. Und so verpufft die Leitzinssenkung als nutzloses geldpolitisches Instrument, während die Banken nun wieder fleißig die Sparzinsen senken.

Der Vorstoß von Benoit Coeuré könnte durchaus ein erstes Umdenken bei der Europäischen Zentralbank bedeuten. Die Banken, die von den historisch niedrigen Kreditzinsen profitieren, könnten vielleicht bald nicht mehr der Hauptansprechpartner für Unternehmenskredite sein – wenn die EZB dazu übergehen würden, solche Kredite selbst zu vergeben. Dies würde eine große Chance für die Euro-Zone bedeuten, die wirtschaftlichen Auftrieb bedeuten könnte gerade auch in den Krisenstaaten der Währungsunion.