Dispokredite sind Kredite, die die Bank ihren Kunden in Form der "Überziehung" von Girokonten gewährt. Was bei Girokonten für Jugendliche meist ausgeschlossen ist, wird bei Girokonten von Kunden, die auch noch eine gute Bonität und im besten Fall einen regelmäßigen Gehaltseingang auf dem Girokonto nachweisen können, zum Normalfall. Wer knapp bei Kasse ist und kurzfristig oder unvorhergesehen Liquidität benötigt, der kann sein Konto überziehen und den Kontostand später wieder ausgleichen – allerdings nicht zum Nulltarif. Wie bei jedem normalen anderen Kredit auch, werden natürlich Zinsen fällig. Doch die Dispozinsen sind aktuell exorbitant hoch. Teilweise werden Dispokredite mit mehr als 18 Prozent Zinsen p.a. verzinst. Dies sei zu hoch, finden nun Verbraucherschützer und allen voran Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Sie hat am Donnerstag eine Studie zur Höhe der Dispokreditzinsen deutscher Banken präsentiert und klargestellt: Die Dispozinsen sind schlichtweg zu hoch. Selbiger Meinung sind wir auch und empfehlen von daher seit längerem, Abruf- oder Rahmenkredite als Alternative zu nutzen. Wie Sie hier vergleichen können, sind deren Zinsen deutlich niedriger.

Das Mannheimer Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung und das Institut für Finanzdienstleistungen haben es in ihrem Gutachten auf den Punkt gebracht: Die Erträge aus den Dispogeschäften überwiegen die Kosten aus dem Dispogeschäft sehr deutlich. Mit dem Dispokredit werden demnach deutliche Gewinne erzielt, die via Quersubventionierung dann innerhalb der Bankbilanzen zu Gewinnsteigerungen führen. Der durchschnittliche Dispokreditzins liegt derzeit bei 12,4 Prozent, Spitzenreiter ist allerdings eine Bank mit 18,25 Prozent Zinsen auf den Überziehungskredit.

Angesichts der derzeitig günstigen Refinanzierungskonditionen müssten Banken eigentlich in der Lage sein, auch zu niedrigeren Zinsen Kredite zu vergeben. Schließlich ist der Leitzins der EZB auf einem historischen Tiefststand von 0,75 Prozentpunkten angekommen und auch der Drei-Jahres-Tender von Ende 2011 und Anfang dieses Jahres dürfte die Banken noch sehr günstig mit ausreichender Liquidität versorgt haben. Häufig führen Banken jedoch den Grund an, dass bei Dispokrediten viel höhere Kosten als bei normalen Krediten anfallen. Schließlich sei das Ausfallrisiko bei Überziehungskrediten erheblich hoch. Dieses Argument wird in der aktuellen Studie allerdings entkräftet. Nur etwa 0,3 Prozent aller Dispokredite können nicht wieder zurückbezahlt werden. Neben dem Verwaltungs- und Bearbeitungsaufwand kann dies demnach kein Argument für die erhöhten Zinsen sein.